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London Walls - die Schönheit des Morbiden

London Walls – ich kann zwar in keiner Stadt mehr leben, weil mich die vielen Eindrücke ersticken, wenn ich aber die Möglichkeit habe mich für eine überschaubare Zeit einer Stadt ganz und gar hin zu geben, dann erlebe ich es als ungemein inspirierend.

London Walls – die Lust am Zerfall

Es ist bei mir so eine merkwürdige Sache mit dem Empfinden von Schönheit und Inspiration. Ich habe schon sehr viele außergewöhnlich beeindruckende Landschaften in meinem Leben gesehen und man sollte annehmen, dass mich solche Anblicke ungemein inspirieren. Es ist jedoch ganz anders. Schönheit langweilt mich. An Schönheit kann man nichts mehr verbessern, verändern – schön ist schön. Es ist abgeschlossen, es ist fertig. Da kann man nur schauen und genießen, was ja auch ganz wunderbar sein kann, mir aber zu wenig ist.

Das Morbide, Zerfallene hingegen inspiriert mich, ich fühle beim Anblick von altem Gemäuer, von Abfall (also das, was beim Leben sozusagen abgefallen ist) eine seltsame Erregung, die durch das Auge, direkt in die Hände fließt und mit ihnen malt.

London 2005

So erging es mir 2005 in London. Ich bin tagelang mit meiner Kamera durch die Stadt geirrt und habe heruntergekommene Häuserwände fotografiert. Es hätte auch viele „schöne“ Grafitties gegeben, aber die waren mir zu steril, zu bunt – eben zu schön.

In solchen Zeiten fühle ich mich, als wäre ich nur Auge und sonst nichts. Nach annähernd 1000 Fotos bin ich nach Deutschland zurückgekehrt und habe das erste Mal meine eigenen Fotos in Collagen verarbeitet, 2005 entstand die Serie London Walls. Die meisten sind inzwischen schon verkauft, aber einige habe ich behalten, oder meinen Kindern geschenkt, denn sie bedeuten mir wirklich viel.

Sie gehören auch zu den wenigen Bildern, die ich um mich herum haben, sehen möchte, denn sie werden mich heute nicht mehr beeinflussen können. Diese Zeit in London war so einmalig, dass ich nie auf die Idee kommen würde, solche Bilder heute noch zu malen.

Die Fotos habe ich auf Holz aufgezogen und dann beklebt, bemalt – alles wieder abgerissen und wieder übermalt. Ich wollte die selbe Stimmung in die Bilder wieder hineinbringen, aus der ich die Fotos sozusagen heraus gerissen habe.

Verfallende Wände von alten Häusern, die mit unzähligen Plakaten wieder und wieder überklebt wurden, zwischendurch stumpfsinnige Sprühereien von irgendwelchen übermütigen Kids – all das wollte ich wieder auf die Bilder bringen, um diesen Moment der Erregung, der in Anbetracht von aufgeschichteter Vergänglichkeit so mächtig war, festzuhalten.

Weitere Fotos von meinen Bildern finden Sie auch in meinem Google Fotoalbum

madforart