Kunst leben

Wenn ich nachdenke, dann selten über Kunst. Meine Lieblingsthemen sind eher philosophischer Natur und haben in erster Linie mit Freiheit und Selbstbestimmung zu tun. Außerdem ist mein Blick, wenn es um Kunst geht, ohnehin arg eingeschränkt, denn ich verbringe mein Leben nun schon seit mehr als 40 Jahren im Atelier.

Wir müssen reden! Über Kunst.

Ich möchte aber wissen, wie andere Menschen über Kunst denken. Was ist ihnen wichtig an Kunst? Verstehen sie Kunst eher intellektuell oder emotional? Welche Bedeutung hat Kunst in ihrem Alltag?

Auf meine Bitte hin, meine Fragen zu beantworten, haben sich sofort einige liebe Menschen an die Tastatur begeben und ihre Sicht, ihre Haltungen und Ideen rund um das große Thema „Kunst“ niedergeschrieben. Ich werde sie alle nacheinander veröffentlichen, denn so unterschiedlich Menschen sind, so unterschiedlich fallen auch die Antworten aus. Eines haben sie jedoch alle gemein: Kunst ist wichtig!

Die ersten Antworten habe ich von der lieben Wibke erhalten, die ich für ihre natürlich-witzig-geistvolle Art sehr bewundere und schätze! Sie ist eine herausragende Netzwerkfrau und mit ihren Beiträgen ist sie ein buntes Leuchtfeuer auf allen Social Media Kanälen; mit Herz, Hirn, Sinn und Verstand!

Also Vorhang auf – hier kommt Wibke!

Kunst leben

[highlight highlight_type=“bold“]Wer bist Du?[/highlight]

In meinem selbsterfundenen Beruf des Social-Web-Rangers begleite ich Menschen im Landschaftsraum. Internet. Kreativität, Wortschatz, Ideenfindung und Storytelling sowie eine gute Verknüpfung von Analogistan und Digitalien liegen mir besonders am Herzen. Momentan schicke ich zum Beispiel die Orgelmaus auf Abenteuer und coache öffentliche Bibliotheken.

Als bekennende Rampensau mag ich die Bühne, ob als Veranstalterin von Events zur Kulturvermittlung, Barcamps und Tweetups, als Speakerin bei Konferenzen und der re:publica oder als Moderatorin etwa für die AKEP Jahrestagung oder die Stadt Köln.

Außerdem kritzele ich seit ein paar Jahren nach einer sehr langen Pause wieder mutig vor mich hin.

 

[highlight highlight_type=“bold“]Welche Bedeutung hat Kunst in Deinem Leben?[/highlight]

Ein Leben ohne Kunst ist möglich, aber sinnlos. Zumindest nehme ich an, dass ein Leben ohne Kunst möglich ist. Allein, ich kann es mir nicht vorstellen. Kunst erleichtert mir die Auseinandersetzung mit der Welt und mit mir selbst. Sie tröstet und erfreut mich. Sie piesackt mich und tut mir gut. Kunst öffnet mir die Augen für die Blickwinkel anderer Menschen. Und manchmal lässt sie mich ratlos zurück, im Wissen, nichts zu wissen und nicht alles verstehen zu müssen.

[highlight highlight_type=“bold“]Wie oft besuchst Du Museen oder Ausstellungen?[/highlight]

Ich wohne in Köln, wo es bekanntermaßen keinen Mangel an Museen gibt. Und viele bemerkenswerte Museen sind innerhalb kurzer Zeit mit der Bahn oder mit dem Auto erreichbar. Vor diesem Hintergrund ist es beschämend, wie selten ich Museen oder Ausstellungen besuche. Mir macht Museum mehr Spaß, wenn ich etwas mit der Kunst machen kann. Ich bedaure oft, dass es diese tollen Malworkshops in den Museen nur für Kinder gibt. Daher finde ich auch immer soviel Vergnügen daran, mit den Herbergsmüttern unsere sehr interaktiven Tweetups in Museen vorzubereiten und durchzuziehen. Oder mit Museumselfies selbst Teil der Kunst zu werden.

Aber gut. Ich gelobe hiermit, einfach häufiger »mal so« Kunst gucken zu gehen.

 

[highlight highlight_type=“bold“]Ist Kunst wichtig für Menschen?
Wenn ja, warum?[/highlight]

Ein wenig klang es vielleicht schon bei der ersten Frage an: ich halte Kunst für wesentlich für die Auseinandersetzung mit sich selbst und der Welt. Hübsch beschrieben finde ich das in dem Filmchen der School Of Life: What is Art For?

Ich halte Kunst selber machen aber auch für mindestens ebenso wichtig wie das Leben und die Auseinandersetzung mit Kunst an sich. Einen eigenen Ausdruck zu finden wird uns nicht zuletzt in der Schule ja mühsam abgewöhnt. Da geht es darum, auch in Kunst und Musik gute Noten zu bekommen, also Fertigkeiten zu erlernen und etwas richtig zu machen. Und weniger um die Suche und das Experimentieren mit den eigenen Fähigkeiten. Wer dann selbst nicht den Weg in diese Auseinandersetzung findet, bleibt reiner Konsument von Kunst, wenn überhaupt. Und da ich mich gern Beuys‘ Auffassung von Kunst als einer Art Freiheitswissenschaft anschließe, ist Kunst machen und mit und über Kunst denken und sein angesichts der Herausforderungen in der Welt dringend nötig. Meiner Überzeugung nach ist Kunst auch eine der wenigen Antworten auf Überwachung und Technokratie.

 

[highlight highlight_type=“bold“]Glaubst Du, dass man Kunst „verstehen“ muss?[/highlight]

Es gibt wohl kaum etwas Berauschenderes, als einen lange unzugänglichen Zusammenhang plötzlich zu verstehen. Ich schätze diese Momente und bin mir doch bewusst, dass dieses Verstehen möglicherweise eine Täuschung oder nur von vorübergehender Dauer ist. Sich mit Kunst intellektuell auseinanderzusetzen halte ich für sehr wertvoll, aber durchaus auch überschätzt. Die Tendenz von Kunsthistorikern zur Distinktion und einer Erhebung ihrer selbst über das vermeintliche Prekatiat finde ich sehr albern.

Ich habe selbst eine Weile Kunstgeschichte studiert und in Museen gearbeitet. Es hatte vor allem menschliche Gründe, warum ich das Studium wie auch die Arbeit in Museen nicht mehr weiterverfolgen mochte. Mitunter bedaure ich auch, dass Kunst meist fein säuberlich in dem hermetischen Raum der Museen verräumt und nicht Teil des Lebens der Menschen ist. Weshalb ich Fluxus, Street Art und Performances im alltäglichen Raum mag. Kunst also als Teil des Lebens von Menschen, nicht als ein unberührbares Objekt.

Auch solche Orte wie das Dortmunder U, das Zentrum für Kunst und Kreativität, das stark auf Interaktion setzt, finde ich sehr belebend. Kunst erleben fördert das Verstehen von Kunst. Wenn Kunst nur mehr auf den wissenschaftlichen Elfenbeinturm »für uns Wenige, die Eingeweihten« und auf eine Funktion als Statussymbol jedweder Art reduziert wird, finde ich das, mit Verlaub, zum Kotzen.

 

[highlight highlight_type=“bold“]Glaubst Du, dass es einen Unterschied gibt zwischen einem Original und einem Druck?  Wenn ja, welchen?[/highlight]

Ein Kunstwerk ist auch Kommunikationsmittel. Wenn ich den Strich des Malers oder der Malerin beinahe fühlen kann, schafft das eine unglaubliche Intimität. Bei manchen Gemälden kann man die vielen Schichten der Entstehung ahnen, manchmal gar sehen. Ein Original ist wie ein Lebewesen. Mit der Zeit verändert es sich. Insofern: ja, es gibt einen Unterschied. Ein Druck bildet lediglich einen Zustand des Originals ab. Spannender ist es bei Linol- oder Holzdrucken. Da verändert sich die Vorlage und damit wird jeder Druck wiederum ein Original.

 

[highlight highlight_type=“bold“]Besitzt Du Originale?[/highlight]

Wenn ich mich umsehe, hängen hier eigentlich nur Originale. Bis auf wenige Ausnahmen Eigenproduktionen vor allem des hier mitwohnenden Herrn. Ich mag das. Sehr.

 

[highlight highlight_type=“bold“]Was ist Dir wichtig an Bildern in Deiner unmittelbaren Umgebung? Nach welchen Kriterien wählst Du sie aus?[/highlight]

So genau kann ich das gar nicht beschreiben. Es ist, als seien sie eines Tages an die Wand gewachsen und beanspruchen seitdem diesen Ort für sich.

Von | 2017-02-22T18:19:29+00:00 Februar 25th, 2015|Kunst, Kunstfragen, LebensKunst|0 Kommentare

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