ich, mein sofa und der kleine fiese nackenteufel

Samstag, März 13th, 2010 | einblicke

DSC_0014die vergangene woche war anstrengend.

das wochenende ist wegen workshop ausgefallen, anfang der woche sind 8 verpackte bilder auf die reise gegangen, dann am mittwoch der 30. geburtstag meines sohnemanns in nürnberg.

summasummarum eine woche voller ereignisse, die verarbeitet, sortiert und abgelegt werden möchten. ausserdem schneit es ohne unterlass, alles ist grau in grau, einschliesslich meiner gedanken.

ich bin müde.

mein sofa ist seit gestern nachmittag mein hauptaufenthaltsort, aber leider muss ich das schön geblümte ikea teil mit einem kleinen, fiesen nackenteufel teilen, der mir andauernd ungefragt und voller bosheit sätze ins ohr flüstert wie:” du bist faul!”, “aus dir wird sowieso nix!” oder mein lieblingssatz “du bist immer so träge, es wird sich nie etwas bei dir ändern!”

und alles mit so´nem ekelhaftem zischen ins innere ohr gehaucht, damit ich endlich kapiere; es gibt kein entrinnen, es gibt keine entspannung, müssiggang ist für die katz, nicht aber für mich!

ok, ich schmeisse wenigstens die waschmaschine an, damit ich das gefühl habe wenigstens etwas vernünftiges an diesem grauen tag geleistet zu haben.

aber erst rauche ich noch eine und schubse völlig unmotiviert virtuelle schafe bei farmville hin und her.

eigentlich sollte ich sie verkaufen. die schafe.

kater mephisto schnarcht auf dem gegenüber stehenden sofa – er hat es gut, er hat keinen eingebauten nackenteufel.

waschmaschine läuft, summt fleissig vor sich hin und wenn ich die ohren spitze dann höre ich, was sie sagt:”du bist faul, ich muss die ganze arbeit alleine machen!”

und mir ist, als hätte ich auch noch ein immer und ein nie zwischen dem singsang der waschmaschinentrommel vernommen.

wer hat eigentlich generalisierungen erfunden?

immer und nie und alles und nichts – killerbotschaften, aus denen neurosen gestrickt sind.

hysterische frauen, mütter, grossmüter kreischen gerne in hohem sopran: “du Immer….nie machst du…….alles…….nichts machst du richtig….nie!”

habe ich das zu meinen kindern auch gebrüllt? ich hoffe nicht. oder zumindest nicht so oft, wie ich es wohl zu hören bekommen habe.

es ist schon erstaunlich, wie lange das echo solcher sätze noch nachhallen kann.

57 bin ich jetzt.

habe viel gelernt.

bin sehr aktiv.

manche halten mich für äusserst produktiv.

ja, ich bin stolz auf mich, wenn ich auf mein leben zurückblicke.

dann höre ich aber gleich den kleinen nackenteufel:” du hättest viel mehr aus dir machen können!”

ich gebe auf – ich lasse ihn einfach weiterlabern, denn jetzt ist der punkt erreicht, an dem das ganze absurd wird.

und ich fange an zu begreifen, dass diese stimme einfach da ist, dass sie je mehr ich versuche ihr zu wiedersprechen, desto lauter wird.

also werde ich ganz still – ok, du kleiner teufel, setz dich zu mir auf´s sofa und erzähl mir, was dich so wütend macht, ich höre dir zu und gebe dir die aufmerksamkeit, die du offenbar brauchst.

nun sitzt er dumpfbackig da, völlig überrascht und das erste mal heute herrscht endlich stille in meinem kopf.

ich habe ihn überlistet. er schweigt er hat niemanden mehr, den er angiften kann.

na gut, dann werde ich schnell die wäsche aufhängen, mir ein buch aus dem regal nehmen, lesen, tee trinken, schokolade essen………..und während ich mir all die schönen dinge ausmale, höre ich merkwürdige geräusche neben mir.

der kleine fiese nackenteufel schnarcht, er ist endlich eingeschlafen und lässt mich wohl für heute in ruhe.

10 Kommentare to ich, mein sofa und der kleine fiese nackenteufel

Landfrau
13. März 2010

kleiner,fieser nackenteufel ist sehr schön gesagt,meinen habe ich schon seit längerem erschlagen.solltest du auch versuchen R.I.P. nackenteufel ;-)

kadekmedien
13. März 2010

…und ich dachte schon, es geht nur mir so ;)
Prima Taktik, den Nackteufel mit Aufmerksamkeit zu überlisten.

kadekmedien
13. März 2010

nackenteufel muss es natürlich heißen, mit “en” mitteidrin. – nicht dass noch jemand über freudsche versprecher lacht ;)

etelka
13. März 2010

@klaus-dieter
you made my day :-)

wanja
13. März 2010

Wie aus Deiner Lebensbeschreibung zu entnehmen ist, hat Dich diese Flüsterstimme zu vielen interessanten Aktionen angetrieben. Du hast wohlgetan und allen Grund ohne Nackenteufels Vorwürfe Ruhephasen zu genießen.
Danke für Deine schönen Bilder, die ich mir gerne ansehe.
Liebe Grüße Wanja

Irene
13. März 2010

Wie wahr. Mir erzählt so ein Phantom auch gerne, dass ich was anderes machen sollte als das, was ich gerade tue.

Eine frühere Mitbewohnerin hatte einen Zettel an ihrem Schrank kleben, darauf war zu lesen: “Du sollst nicht sollen” :-)

Evelyn
14. März 2010

*lach* wer kennt diesen teufel nicht? danke für den heiteren und dennoch so wahren beitrag. ich erkenne mich darin gut wieder – und schmeiße auch gleich die waschmaschine an :-)

kreativlustvoll
14. März 2010

Oh, Du hast auch einen kleinen fiesen Nackenteufel? Meiner heisst anders, aber ich glaube, vielleicht sollte ich es auch mal mit Deiner Taktik versuchen.
Er mault mich seit Tagen an, ich solle mich nicht auf meiner Erkältung ausruhen und überhaupt…

Aber @kadekmedien, ein kleiner Nacktteufel würde mir noch besser gefallen ;-)

Rene
14. März 2010

Sensationelle Taktik … Du solltest NLP-Trainerin werden :)
Liebe Grüße und einen fantastisch-faulen Sonntag!
Rene

Doro
14. März 2010

danke für diese wunderbare Beschreibung. Sie bringt die Sache herrlich auf den Punkt – ob die Taktik funktioniert, werde ich dann berichten! ;-)

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